Wann ist endlich genug mit der Inszenierung der Dolomiten?

Die Liftgesellschaft Latemar Karersee plant im Zuge der Neuerrichtung der Liftanlage „König Laurin“ bei der Kölner Hütte direkt unter dem Rosengarten auch den Bau eines Besucherzentrums mit einem weithin sichtbaren Glasturm als Attraktion und Touristenmagnet.

Offensichtlich hat sich inzwischen ein Aufschaukelungseffekt und ein Wettbewerb um Gäste mit teils wahnwitzigen Ideen entwickelt, welche von hohen Hängebrücken und weit auskragenden Plattformen als Kick, bis zu begehbaren Gipfelkreuzen (!!) reichen. Deshalb glauben viele Betreiber, unbedingt mit solchen Vorbildern mithalten zu müssen. Doch nicht jeder Standort verträgt einen Eyecatcher, besonders nicht dieser hier vor den bizarren weltberühmten Felswänden des Rosengartens mit einem solchen Glasturm!

Gewiss ist der heutige Zustand mit der Bergstation und den vielen hohen Stützmauern keine Augenweide. Deshalb könnte die neue Bergstation durchaus wie geplant in die Erde verlegt werden, auch wenn es eines großen Aushubes bedarf, welcher zwar teils für die geplante Zuschüttung des bestehenden Gebäudes verwendet wird. Diese Maßnahme kann effektiv zu einer landschaftlichen Verbesserung führen wie das Rendering zeigt, auch wenn dieses geschönt dargestellt ist und dabei bewusst alle Geländer, Stützen und Tragseile der neuen Umlaufbahn fehlen, um es besser aussehen zu lassen. Wir kritisieren aber auch die massive Erhöhung der Förderleistung, welche weitere Probleme schafft. Als neues Highlight wird das 360°-Panorama angegeben, obwohl dieses von der Kölner Hütte aus besser zu sehen ist. Gerade deshalb braucht es keinen Glasturm, in dem sich wegen der abgekanteten Ausformung und der riesigen Glasflächen, dauernd irgendwo der Himmel und die Sonne spiegeln und dies von unten aus zu sehen sein wird.

Wir sind schon der Auffassung, dass ein gewisses Informationsangebot zum Welterbe Dolomiten durchaus an der Bergstation geboten werden könnte, doch wäre ein Besucherzentrum am Ausgangspunkt bei der Talstation wegen der niederschwelligen Zugänglichkeit sicherlich viel besser positioniert. Die Dolomiten sollten nämlich nicht weiter vermarktet werden, sondern zunehmend vor zu starkem Zulauf geschützt werden, denn es stellt sich die Frage: Wann ist denn endlich genug?

Abschließend möchte sich der Heimatpflegeverband auch noch der Kritik von AVS, Cai und Dachverband vollinhaltlich anschließen.

Dr. Claudia Plaikner
Landesobfrau

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Landschaftspflegebeiträge 2019

Die Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung stellt auch für 2019 wieder Beiträge im Bereich der Landschaftspflege in Aussicht.

In welchem Ausmaß steht zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht fest, da es noch keine operative Landesregierung gibt.

Sie können aber vom 15. Januar 2019 bis 31. März 2019 an den Heimatpflegeverband Südtirol ein Beitragsansuchen für die Erhaltung von Stroh- und Schindeldächern, bäuerlichen Kleindenkmälern sowie Holzzäunen außerhalb der Schutzgebiete richten. Das entsprechende Gesuchsformular sowie die geltenden Beitragsrichtlinien finden Sie auf dieser Homepage unter dem Menüpunkt „Landschaftspflege“ zum Herunterladen.   


69. Vollversammlung - Vorankündigung

Der Landesvorstand hat auf seiner 396. Sitzung vom 10.12.2018 beschlossen, die 69. Vollversammlung des Verbandes

am Samstag, 06.04.2019

mit Beginn um 14 Uhr
im Pfarrzentrum "St. Gertraud" in Bozen-Haslach abzuhalten.

Um 12:30 Uhr bietet sich allen Interessierten die Gelegenheit, eine kostenlose Führung durch Alt-Haslach, vorbei an den Rücksiedlerhäusern bis hin zur modernen Wohnsiedlung „St. Albuin“ mit Frau Agnes Egger Andergassen mitzuerleben.

Was hat es mit dem Gertraudbrunnen auf sich, wohin gehörte die 1778 eingeweihte Gertraudkapelle, und welches Konzept verfolgte Arch. Othmar Barth mit den an die steil aufragenden Porphyrfelsen angepassten sogenannten „Legohäuser“?

Im modernen Pfarrzentrum hängen zwei Werke des Malers Luis Stefan Stecher.
Anmeldung zur Führung nicht erforderlich aber erwünscht.
Treffpunkt: 12:30 Uhr beim Gertraudbrunnen.

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Bahnhofgebäude Bruneck gerettet

Bezugnehmend auf den Artikel der „Dolomiten" vom 31.1.2019, dass der Baubeginn für das lange geplante Mobilitätszentrum Bruneck bevorsteht, begrüßen wir Mitglieder der "Plattform Pro Pustertal," des „Heimatpflegeverbandes Südtirol" und des „Kuratorium für die Erhaltung Technischer Kulturgüter" die Rettung des bestehenden Bahnhofsgebäudes aus dem Jahr 1871.

Der ursprüngliche Ausbauplan von 1990 sah den totalen Abriss des Hauptgebäudes vor und setzte sofort eine breite Kampagne für den Erhalt des historischen Ensembles in Gang.
Bereits 2002 begründete Frau Dr. Waltraud Kofler-Engl vom Denkmalamt den Erhalt damit, dass die alt-österreichischen Bahn-Bauten der Brenner- als auch der Pustertalbahn seit 1859 mit ihren verschiedenen Dienstgebäuden, Wassertürmen, Werkshallen und Stellwerken materielle historische Zeugnisse in einheitlichem Stil darstellen.

Der vom österreichische Hochbaudirektor Ritter Wilhelm von Flattich entwickelte Formenkanon stellte eine neuartige und einheitliche Bautypologie dar: Sockelmauerwerk aus Natursteinen, reich gestaltete Giebelfelder mit Holzschnitzerei, möglichst niedrige Bau- und Erhaltungskosten, Baustil, welcher der Gebirgslandschaft entspricht.

Im Jahr 2003 erfolgte eine genaue Bestandsaufnahme aller historischen Bahnhöfe in Südtirol, wobei Bruneck und Klausen als besonders erhaltenswert bezeichnet wurden. Leider ging in der Zwischenzeit bereits vieles verloren, obwohl im November 2011 ein dringender schriftlicher Appell des „Kuratoriums" an den damaligen Landesrat Thomas Widmann und Bürgermeister Christian Tschurtschenthaler gerichtet wurde mit der Bitte, das noch vorhandene Stellwerk aus dem Baujahr 1871 nicht dem Verfall preiszugeben, obwohl die dazugehörige Waage bereits zerstört war.

Nun ersuchen wir erneut darum, dieses wertvolle Zeugnis der k.u.k. -Baukultur unbedingt zu erhalten; es könnte bestens als historisch-touristische Attraktion genützt werden. Im historischen Holzbaugebäude könnten man beispielsweise Geräte aus der Gründerzeit unterbringen und mit entsprechender Dokumentation über die Pionierzeit der Eisenbahn informieren.

Dr. Christine Baumgartner, Plattform Pro Pustertal
Dr. Claudia Plaikner, Heimatpflegeverband
Dr. Wittfrieda Mitterer, Kuratorium für die Erhaltung Technischer Kulturgüter

Bruneck/Olang/Bozen, 10.02.2019


Die Lerche - Vogel des Jahres 2019

Lesen Sie mehr dazu hier


Gesamttiroler Heimatpfleger-Treffen

32. Generalversammlung der Nord-, Ost-, Süd- und Welschtiroler Heimatpfleger - Resolution

Am Samstag, 1. Dezember 2018 haben sich die Vorsitzenden und Mitglieder der Landesvorstände zum alljährlichen Gesamttiroler Heimatpfleger-Treffen in Frangart/Eppan eingefunden. Aus aktuellem Anlass haben die Gesamttiroler Heimatpfleger*innen eine Resolution zum Grenzenlosen Wachstum verfasst, die Sie nachfolgend lesen können.

Tourismus in Südtirol - Die Grenzen des Wachstums – ein Appell an Politik und Wirtschaft

WENIGER IST MEHR 1)

Die Fremdenverkehrswirtschaft jubelt über Rekordzuwächse im Sommertourismus („ein Plus von 2% im Sommerhalbjahr 2018“). Gleichzeitig jedoch mahnt LH Arno Kompatscher, dass „in Teilen Südtirols die zahlenmäßige Grenze inzwischen erreicht sei; deshalb herrsche mittlerweile große Einigkeit darüber, dass man nicht mehr Wachstum, sondern mehr Nachhaltigkeit anstreben müsse" (zit nach: Dolomiten, 01.12.2018). Und die Südtiroler Wirtschaftszeitung titelte schon im August 2018 mit Blick auf die absehbaren Grenzen des touristischen Wachstums: „Genug kann auch genügen“.

Diese Einschätzungen teilen wir vorbehaltlos! Doch aus Erfahrung wissen wir auch, wie schnell solche Mahnungen im Erfolgsjubel der für den Tourismus Verantwortlichen verhallen können.

Tatsächlich erleben wir seit einigen Jahren einen starken und „nachhaltigen“ Wachstumsschub beim Fremdenverkehr in unserem Land, mit jährlichen Zuwachsraten zwischen 5-6% sowohl bei den Ankünften als auch bei den Nächtigungen: Letztere überschritten im Jahr 2018 die 32-Millionen Marke.... Die Gründe liegen in der weltweit starken Konjunktur, in einer neuen Beliebtheit von Nahräumen wie der Alpen – auch angesichts der Angst vor Terrorismus und im Zeichen des Klimawandels in den wärmer werdenden Perioden auf der Suche nach der „Sommerfrische“. Dazu kommt, dass Südtirol als Gastland tatsächlich „qualitativ aufgerüstet“ hat und sein Leistungsangebot in allen Teilbereichen der Branche verbessert und ausgeweitet hat.

Doch dieser Boom hat eine negative Kehrseite – und diese spüren wir von Jahr zu Jahr stärker, sommers wie winters, -in unseren Städten, Tälern und auf unseren Bergen: Die Grenzen dieses Wachstums sind vielerorts erreicht! Dieses Wachstum bedarf allzu vieler Gäste, es produziert zu viel Beton und zu viele Betten; dieses Wachstum produziert bedrohlich anschwellende Verkehrslawinen (denn nur 10-15% der Touristen erreichen Südtirol mit öffentlichen Verkehrsmitteln); dieses Wachstum lässt die Preise auf Kosten der Ansässigen steigen; dieses Wachstum bringt insgesamt einen erhöhten Verbrauch von Landschaft und Ressourcen mit sich und eine größere Belastung des Gebietes und der Umwelt. Und bedenklich ist: Das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft vom Juni 2018 hat schon die Weichen für eine weitere rasante Tourismusentwicklung gestellt.

Angesichts dieser Entwicklung appellieren wir an Landespolitik und Wirtschaft:

Wenn Südtirols Natur und Landschaft ihre herausragende natürliche Qualität weiterhin, also „nachhaltig“, behalten sollen, dann muss die Tourismusentwicklung im Sinne eines strategischen Maß-Haltens und Gegensteuerns grundsätzlich überdacht werden und zwar in Richtung „sanfte Mobilität – „Klimaland“ – „Bio-Land“. Dies im besten Wortsinn des Leitgedankens von Mies van der Rohes Architektur.

Claudia Plaikner – Konrad Roider – Walther Eccli

1) Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969)