© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolCoronavirus trifft die „Krone der Schöpfung“

Erzwungen durch den Fast-Stillstand des öffentlichen Lebens, losgelöst von Terminen und Verpflichtungen, zurückgeführt in die eigenen vier Wände erfährt der Mensch dieser Tage eindrücklich, was es bedeutet, von einem aggressiven und bisher unbekannten Virus allgegenwärtig bedroht zu werden. Die Medien und sozialen Netzwerke schwanken zwischen dem aufrichtigen Versuch, allein die Faktenlage wiederzugeben und Menschen eindringlich zum richtigen Verhalten in dieser Krisenlage zu bewegen und der Panikmache mit der Verbreitung von Hiobsbotschaften oder Verschwörungstheorien.

Die Krise betrifft inzwischen mehr oder weniger stark die ganze Welt und es wird an Pandemie-Szenarien wie die Spanischen Grippe am Ende des 1. WK, die SARS-Pandemie 2002/03 oder die Schweinegrippe 2009/10 erinnert. Warum entstand diese Pandemie? Darüber geben uns Virologen und Immunologen wissenschaftlich gesicherte Auskunft. Aber Krisen kündigen sich manchmal durch verschiedene Vorzeichen an und werden durch einen oft nicht genau definierbaren Auslöser entfacht.

Auch Südtirol steht im Banne des Corona-Virus und die plötzlich reich vorhandene Zeit gibt wohl so manchem Menschen auch hier die Möglichkeit, sein Leben bewusster unter die Lupe zu nehmen, zu erkennen, was ihm abgeht oder eben auch nicht, was ihm wirklich wichtig ist oder jetzt bei genauer Betrachtung nichtig und überflüssig erscheint.  Wie oft hört man dieser Tage aus unterschiedlichstem Munde: Es musste einmal eine Bremse für unsere Hast, unser überhitztes Wirtschaften, unsere Gier nach Mehr kommen.

Wir Heimatpfleger/innen sprechen diese Entwicklungen und die Grenze der Belastbarkeit schon seit Jahren an und warnen vor der teilweise aggressiven Wirtschaftsweise, auch in unserem Land, vor dem grenzenlosen Wachstum in verschiedenen Wirtschaftsbereichen mit all den negativen Begleiterscheinungen wie überbordender Verkehr, überdurchschnittlicher Verbrauch von Ressourcen, überstrapazierte Landschaft. Aber auch über die Maßlosigkeit im Beanspruchen von Grund und Boden, über die Respektlosigkeit im Umgang mit unseren tradierten Kulturgütern, über das zunehmende Fehlen von Solidarität gegenüber Menschen, die nicht „mithalten“ können oder von außen zu uns kommen, um vor Verfolgung, wirtschaftlicher Not und Umweltkatastrophen zu fliehen.

Die Corona-Krise trifft, um es biblisch auszudrücken, die „Krone der Schöpfung“, also den Menschen, nicht die Natur, nicht die Pflanzen und Tiere. Im Gegenteil: Man erkennt, wie sehr die Natur dieser Tage wieder aufatmet, nicht nur weil sie – wie ein Wunder – jedes Frühjahr neu erwacht; nein, weil plötzlich die Luft wegen des stark reduzierten Verkehrs wieder reiner ist, weil der Straßenlärm verschwunden ist und man plötzlich die Vögel ganz laut singen hört, weil am Himmel die Kondensstreifen der Flugzeuge fehlen, weil der Konsum bis auf das Notwendige reduziert wird und nicht die Shoppingtour mit der Familie auf dem Programm steht.

Plötzlich finden Familien zu Hause wieder Zeit füreinander, sie reden, diskutieren, spielen, musizieren miteinander. Plötzlich finden Menschen wieder die Zeit, ihren Hobbys zu frönen, Plötzlich erinnern sich Menschen an andere, mit denen sie schon so lange nicht mehr gesprochen haben und setzen sich mit ihnen in Kontakt. Plötzlich entsteht eine Solidargemeinschaft im Kampf gegen das Virus. Plötzlich erkennen viele, dass das Leben endlich ist und man nicht für die nächsten fünf Generationen schaffen und schuften muss. Plötzlich merken wir, welche Menschen uns wirklich abgehen, weil wir sie jetzt physisch nicht treffen können. Und plötzlich merken wir genau, wer und was uns sprichwörtlich „gestohlen bleiben“ kann.  

Jede Krise birgt auch eine Chance in sich – diese Binsenweisheit bewahrheitet sich auch jetzt. Einen aus der Not erforderlich gewordenen Digitalisierungsschub hat man innerhalb weniger Tage beispielsweise im Bildungssystem erreicht. Eine neue Wertschätzung zeigt sich gegenüber Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten und in dieser Zeit weit über das normale Maß hinaus sich einsetzen und für uns alle ein hohes Risiko eingehen. Betriebe stellen spontan auf rar gewordene Güter wie Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken um. Und nicht zuletzt: alle europäischen Länder werden heuer aufgrund der Corona-Krise ihre Klimaziele erreichen.

Was wird sich nach Corona ändern? Wird die Überwindung einer absehbaren schweren Wirtschaftskrise auch politische Priorität haben, nach dem Motto: so schnell wie möglich wieder zurück auf das Niveau vor der Corona-Krise und dabei sind alle Mittel recht? Oder wird man ein Maßhalten nicht als Mangel, sondern als Chance für eine andauernde Systemänderung betrachten, eine Art „Deglobalisierung“ mit neuer Wertschätzung gegenüber der überschaubaren Kleinstrukturiertheit von Betrieben und einheimischen, regional und gesund erzeugten Produkten? Wird die menschliche Gemeinschaft sich Werten wie Solidarität, Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit verpflichten?

Man erinnert sich dieser Tage gerne eines einheimischen großen Vordenkers: Alexander Langer, der einen Gegenentwurf zum „citius-altius-fortius (schneller, höher, stärker) durch ein „lentius-profundius-suavius“ (langsamer, tiefer, lieblicher) für unsere Gesellschaft propagiert hat. Unsere Sehnsucht nach der Zeit nach Corona bietet die Gelegenheit, diesen Paradigmenwechsel zu vollziehen. Die Zukunft der Menschen und der Natur in unserem Lande hängt vor allem vom verantwortlichen Handeln von uns selbst ab. Nutzen wir diese einmalige Chance!

Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes Südtirol

Olang, am Frühlingsanfang 2020

Welche positiven Erkenntnisse ziehen Sie ganz persönlich aus dem Fast-Stillstand des öffentlichen Lebens und der erzwungenen Auszeit? Welche Chancen sehen Sie in der Coronavirus-Krise?  Diskutieren Sie mit uns auf der Facebook-Seite des Heimatpflegeverbandes: https://www.facebook.com/HPV.Suedtirol/


© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolACHTUNG: Kein Parteienverkehr

Ansuchen für Landschaftspflege-Beiträge können nur noch digital oder per Post eingereicht werden.

Alle Informationen zu den Beiträgen für Landschaftspflege und zum Einreichen der Ansuchen finden Sie hier. Für weitere 'Informationen erreichen Sie uns von Montag bis Freitag von 8:00 bis 12:00 Uhr unter der Telefonnummer 347 7129674.

 

 


© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolABGESAGT: 70. Vollversammlung des Heimatpflegeverbandes abgesagt

Nach reiflicher Überlegung hat der Vorstand des Heimatpflegeverbandes die für den 4. April in Terlan geplante 70. Vollversammlung abgesagt. Damit trägt der Heimatpflegeverband der aktuellen Entwicklung der Coronavirus-Krise Rechnung.

Auch wenn die staatlichen Dekrete zurzeit lediglich eine Aussetzung der Veranstaltungen bis zum 3. April vorgeben, sieht es der Vorstand des Heimatpflegeverbandes als seine Pflicht an – im Rahmen seiner Möglichkeiten – einen Beitrag zur Eindämmung des Covid 19-Virus zu leisten. Dazu gehört auch die Absage der Vollversammlung am 4. April in Terlan.

Wir bitten alle Heimatpfleger und Interessierten um Verständnis für diese Maßnahme. Die Vollversammlung wird zu gegebenem Zeitpunkt nachgeholt.


© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolTagung und Ausstellung: Bauen in der alpinen Landschaft

Am Freitag, 6.12.2019 findet an der Universität Bozen die Tagung "Bauen in der alpinen Landschaft statt. Gleichzeitig wird die Ausstellung "Edoardo Gellner und die Landschaft" eröffnet, die noch bis zum 23.12.2019 zu sehen ist.

Programm (pdf)


© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolFernsehtipps auf RAI Südtirol

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© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolVorlesungsreihe: Wie aus Leben Erbe wird

Die Vorlesungsreihe “Alter Ego. Wie aus leben Erbe wird“, wird im Rahmen des Studium Generale der Universität Bozen von der Fakultät für Design und Künste / Plattform für Kulturerbe und Kulturproduktion organisiert. In acht Vorlesungen und einer Führung wird Kulturerbe aus unterschiedlichen Perspektiven und der Umgang damit als zeitgenössische Aufgabe betrachtet und diskutiert.

Programm (pdf)


© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolWallfahrt mit Bischof Ivo Muser

Der Heimatpflegeverband Südtirol lädt Sie, Ihre Familie und Freunde herzlich zur Begehung des Franziskusweges in Sand in Taufers und Wort-Gottes-Feier mit Bischof Ivo Muser am 5. Oktober 2019 ein.

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© 2020 Heimatpflegeverband Südtirol70 Jahre Heimatpflegeverband

Der Heimatpflegeverein feiert Geburtstag. Am Samstag, 7. September lud der Heimatpflegeverband Südtirol zur Jubiläumsfeier auf Schloss Matschatsch oberhalb von Eppan. Dabei durfte Obfrau Claudia Plaikner über 100 Geladene aus den Heimatpflegevereinen, aus Politik und Gesellschaft und natürlich von den Partnerverbänden begrüßen, um 70 Jahre Heimatpflegeverband zu feiern.

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© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolTourismuszonen im Grünen

Das Spiel mit der Landschaft

Der Tourismus in Südtirol boomt. Was Touristen in Südtirol nach wie vor suchen ist eine typische und unberührte Kultur- und Naturlandschaft. Sie ist das Aushängeschild des Landes und eine der Hauptquellen für die gute Lebensqualität der Einheimischen.
Doch zurzeit erlebt Südtirol einen massiven Ausbau der touristischen Infrastruktur, der diese einzigartige Kultur- und Naturlandschaft nachhaltig verändern wird und zwar nicht zum Besseren. Es ist Zeit die Strategie des touristischen Ausbaus zu überdenken.

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© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolWarnung vor einem „Chalet-Dorf“-Boom

„Siedlungsgrenzen“ werden den touristischen Landschaftsverbrauch nicht hemmen

Ob „Almdorf“, „Stadeldorf“, „Bergdorf“, „Chaletdorf“ – das Beispiel Nordtirol zeigt, wohin die Entwicklung führt, wenn man dem Landschaftsverbrauch nicht strengere Grenzen setzt: Es geht in die Breite, nicht mehr in die Höhe. In Nord- und Osttirol gibt es bereits 30-40 derartige „dorfartige“ Hotelsiedlungen in der Naturlandschaft und zwar überwiegend  in sog. strukturschwachen Gemeinden bzw. Gebieten.

Dies ist – aus Sicht des Landschaftsschutzes – der wohl gefährlichste neue Trend im Hotelwesen: Pseudo-ökologische „Hoteldörfer“ und in die Landschaft gestreute Chalets verbrauchen ein Mehrfaches an Fläche herkömmlicher Hotelbauten, dazu der Flächenfraß durch Zufahrtsstraßen und durch alle übrigen Erschließungsanlagen. Und dies natürlich außerhalb der „Siedlungsgrenzen“!

Auch in Südtirol stehen Ansätze zu derartigen Auswüchsen schon in der Landschaft (Seiser Alm, Hafling) – und das neue Landesgesetz „Raum und Landschaft“, das am 1.1.2020 in Kraft tritt, wird diesen touristischen Flächenfraß nicht hemmen. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass das Gesetz und dessen Durchführungsverordnung zu Art. 17 – entgegen  den eigenen Ansprüchen – inner- und außerhalb der „Siedlungsgrenzen“ de facto einen gewaltigen Schub an neuem Bodenverbrauch bringen wird.

Denn: Bestehende Tourismusbetriebe können sowohl innerhalb des Siedlungsgebietes als auch im landwirtschaftlichen oder alpinen Grün erweitert werden. Neue Tourismusgebiete können in so genannten „strukturschwachen Gemeinden“ – darunter fallen insgesamt 56 Südtiroler Gemeinden – auch außerhalb des Siedlungsgebietes, im landwirtschaftlichen oder alpinen Grün geschaffen werden. Sogar in touristisch entwickelten und „stark entwickelten Gebieten“ können neue Tourismuszonen angrenzend an ein bereits bestehendes Hotel ausgewiesen werden.

Dies wäre nun definitiv das Gegenteil des so viel beschworenen Boden-Sparens!

RA Rudi Benedikter–Fachberater Recht im Heimatpflegeverband Südtirol


© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolDie Bozner Bindergasse - Gestern und heute

Die mittelalterliche Bindergasse, einst von einflussreichen Zünften belebter, geschäftiger und
gastlicher Ort, verkommt heute mehr und mehr zu einer gesichtslosen, vernachlässigten, und
schmutzigen Allerweltstraße. Dass die Zeit nicht stehen bleibt und sich auch die Orte
weiterentwickeln, geht für mich in Ordnung. Was jedoch heute in dieser Straße abläuft, ist
gelinde gesagt untragbar.

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© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolMedienumfrage KulturFenster

Der Heimatpflegeverband Südtirol möchte das KulturFenster verbessern und macht dazu eine Umfrage. Egal, ob Sie das KulturFenster lesen oder nicht: Nehmen Sie sich bitte kurz Zeit und füllen den Fragebogen aus. Sie finden ihn hier.

 


© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolNetzwerk Kulturerbe

Infolge des Kulturerbejahres 2018 hat der Heimatpflegeverband mit dem Südtiroler Burgeninstitut, dem Verband der Restauratoren-Konservatoren Südtirols und dem Fondo Ambiente Italiano (FAI) das netz.werk.kultur.erbe gegründet, um bei wichtigen Anliegen gemeinsam in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Dafür haben wir auch ein Logo entwickelt, unter dem die vier Organisationen in Zukunft ihre Zusammenarbeit bekunden werden. Die erste Aktion des netz.werk.kultur.erbe ist ein gemeinsamer Fotowettbewerb.


© 2020 Heimatpflegeverband Südtirol

Terra tra i monti, Heimat tirolese

Wiedergründung eines Trentiner Heimatpflegevereines

Vor zwölf Jahren ist in Grumo (TN) der Verein „Terra tra i monti, Heimat tirolese – Land im Gebirge, Tiroler Heimat“ gegründet worden. Mit dem plötzlichen Unfalltod des Initiators Stefan Frenez kamen die Aktivitäten des Vereins 2015 zum Erliegen.
Am 18. Mai 2019 startete man in Zusammenarbeit mit der Trentiner Gaismair Gesellschaft und den Heimatpflegern in Süd-, Nord- und Osttirol einen Neuanfang.

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© 2020 Heimatpflegeverband SüdtirolBerge brauchen keine Geschmacksverstärker

Trotz des eindeutig negativen Gutachtens des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Dolomiten UNESCO hat sich der Gemeinderat von Welschnofen mehrheitlich für den Bau des Besucherzentrums in Form eines Glasturmes in der Nähe der Kölner Hütte ausgesprochen. Für den Heimatpflegeverband ist klar: Der Rosengarten ist eine Attraktion an sich und braucht keine Inszenierung!

Der Welschnofner Gemeinderat hat gestern unter Punkt sechs der Tagesordnung der notwendigen Abänderung am Gemeindebauleitplan für die Errichtung des geplanten Glasturms Laurins Kristall mehrheitlich zugestimmt. Bei den Umweltschutzverbänden und alpinen Vereinen führt dies zu völligem Unverständnis. Die Entscheidung steht im Widerspruch zum Gutachten der Stiftung Dolomiten UNESCO.

Die Stiftung bewertet das Gebäude Touch the Dolomites (TTD) als massive Störung („evidente perturbazione“) des Weltnaturerbes. Deshalb kommt die Stiftung in allen Punkten zu einem negativen Gutachten. Mit dem sogenannten „Gläsernen Kristall“ führt man, so die Stiftung Dolomiten UNESCO, einen Fremdkörper mit negativen Auswirkungen auf den ästhetischen und touristischen Wert in das Weltnaturerbe ein. Das TTD erfüllt den Anspruch der Projektwerber, eines der wichtigsten Tore zum Weltnaturerbe aufzuwerten, nicht und hat deshalb laut Stiftung an diesem sensiblen Ort keinerlei Daseinsberechtigung.
Mit Verwunderung stellt die Stiftung außerdem fest, dass ihr Vorschlag, den Glasturm an einer alternativen Stelle wie z.B. in Talstationsnähe zu errichten, nicht in Betracht gezogen wurde.

Der Landeshauptmann selbst spricht sich im Brief vom 25.02.2019 an die Latemar Karersee GmbH für die konzeptionelle Miteinbeziehung der bestehenden Strukturen in das neue Besucherzentrum im Sinne der Empfehlung des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Dolomiten UNESCO aus. Er stellt die im Landesbesitz befindliche Kölner Hütte für die Erstellung eines Gesamtkonzeptes im Sinne einer „baulich anzupassenden Immobilie für das Besucherzentrum“ zur Verfügung.

Heimatpflegeverband Südtirol, Alpenverein Südtirol, Dachverband für Natur- und Umweltschutz und CAI Alto Adige haben sich bereits im Vorfeld zum Projekt aus mehreren Gründen negativ geäußert. Hauptkritikpunkte sind: Der Rosengarten ist eine Attraktion an sich und braucht keine Inwertsetzung und Inszenierung durch eine künstliche Landmarke, er hat bereits seinen kulturellen, spirituellen und ökologischen Eigenwert. Das TTD ist Ausdruck des Aufrüstens für einen kurzsichtigen Eventtourismus der verkennt, dass ein möglichst unberührtes Weltnaturerbe der eigentliche Schatz ist, von dem wir alle, allen voran auch Tourismus und Wirtschaft, profitieren.

Die Entscheidung zur geplanten Bauleitplanänderung liegt nun bei der Landesregierung. Die schreibenden Verbände fordern die Landesregierung auf, die verschiedenen negativen Gutachten – sei es von Landeskommissionen wie auch der UNESCO – Ernst zu nehmen und den Glasturm folgerichtig abzulehnen. Wir appellieren hier insbesondere an den Landeshauptmann, der politisch versprochen hat, die Fachgutachten der eigenen Kommissionen zu respektieren und sich bei den Entscheidungen zu Eigen zu machen.

Josef Oberhofer, Verbandsgeschäftsführer


Landschaftspflegebeiträge 2019

Die Frist für die Einreichung der Beitragsansuchen für die Erhaltung von Stroh- und Schindeldächern, bäuerlichen Kleindenkmälern sowie Holzzäunen außerhalb der Schutzgebiete ist mit 01. April 2019 abgelaufen. Jetzt gilt es abzuwarten, ob überhaupt und in welchem Ausmaß die Südtiroler Landesregierung bereit ist, Beiträge für die Landschaftspflege zu gewähren.

J.O.


Wann ist endlich genug mit der Inszenierung der Dolomiten?

Die Liftgesellschaft Latemar Karersee plant im Zuge der Neuerrichtung der Liftanlage „König Laurin“ bei der Kölner Hütte direkt unter dem Rosengarten auch den Bau eines Besucherzentrums mit einem weithin sichtbaren Glasturm als Attraktion und Touristenmagnet.

Offensichtlich hat sich inzwischen ein Aufschaukelungseffekt und ein Wettbewerb um Gäste mit teils wahnwitzigen Ideen entwickelt, welche von hohen Hängebrücken und weit auskragenden Plattformen als Kick, bis zu begehbaren Gipfelkreuzen (!!) reichen. Deshalb glauben viele Betreiber, unbedingt mit solchen Vorbildern mithalten zu müssen. Doch nicht jeder Standort verträgt einen Eyecatcher, besonders nicht dieser hier vor den bizarren weltberühmten Felswänden des Rosengartens mit einem solchen Glasturm!

Gewiss ist der heutige Zustand mit der Bergstation und den vielen hohen Stützmauern keine Augenweide. Deshalb könnte die neue Bergstation durchaus wie geplant in die Erde verlegt werden, auch wenn es eines großen Aushubes bedarf, welcher zwar teils für die geplante Zuschüttung des bestehenden Gebäudes verwendet wird. Diese Maßnahme kann effektiv zu einer landschaftlichen Verbesserung führen wie das Rendering zeigt, auch wenn dieses geschönt dargestellt ist und dabei bewusst alle Geländer, Stützen und Tragseile der neuen Umlaufbahn fehlen, um es besser aussehen zu lassen. Wir kritisieren aber auch die massive Erhöhung der Förderleistung, welche weitere Probleme schafft. Als neues Highlight wird das 360°-Panorama angegeben, obwohl dieses von der Kölner Hütte aus besser zu sehen ist. Gerade deshalb braucht es keinen Glasturm, in dem sich wegen der abgekanteten Ausformung und der riesigen Glasflächen, dauernd irgendwo der Himmel und die Sonne spiegeln und dies von unten aus zu sehen sein wird.

Wir sind schon der Auffassung, dass ein gewisses Informationsangebot zum Welterbe Dolomiten durchaus an der Bergstation geboten werden könnte, doch wäre ein Besucherzentrum am Ausgangspunkt bei der Talstation wegen der niederschwelligen Zugänglichkeit sicherlich viel besser positioniert. Die Dolomiten sollten nämlich nicht weiter vermarktet werden, sondern zunehmend vor zu starkem Zulauf geschützt werden, denn es stellt sich die Frage: Wann ist denn endlich genug?

Abschließend möchte sich der Heimatpflegeverband auch noch der Kritik von AVS, Cai und Dachverband vollinhaltlich anschließen.

Dr. Claudia Plaikner
Landesobfrau


Bahnhofgebäude Bruneck gerettet

Bezugnehmend auf den Artikel der „Dolomiten" vom 31.1.2019, dass der Baubeginn für das lange geplante Mobilitätszentrum Bruneck bevorsteht, begrüßen wir Mitglieder der "Plattform Pro Pustertal," des „Heimatpflegeverbandes Südtirol" und des „Kuratorium für die Erhaltung Technischer Kulturgüter" die Rettung des bestehenden Bahnhofsgebäudes aus dem Jahr 1871.

Der ursprüngliche Ausbauplan von 1990 sah den totalen Abriss des Hauptgebäudes vor und setzte sofort eine breite Kampagne für den Erhalt des historischen Ensembles in Gang.
Bereits 2002 begründete Frau Dr. Waltraud Kofler-Engl vom Denkmalamt den Erhalt damit, dass die alt-österreichischen Bahn-Bauten der Brenner- als auch der Pustertalbahn seit 1859 mit ihren verschiedenen Dienstgebäuden, Wassertürmen, Werkshallen und Stellwerken materielle historische Zeugnisse in einheitlichem Stil darstellen.

Der vom österreichische Hochbaudirektor Ritter Wilhelm von Flattich entwickelte Formenkanon stellte eine neuartige und einheitliche Bautypologie dar: Sockelmauerwerk aus Natursteinen, reich gestaltete Giebelfelder mit Holzschnitzerei, möglichst niedrige Bau- und Erhaltungskosten, Baustil, welcher der Gebirgslandschaft entspricht.

Im Jahr 2003 erfolgte eine genaue Bestandsaufnahme aller historischen Bahnhöfe in Südtirol, wobei Bruneck und Klausen als besonders erhaltenswert bezeichnet wurden. Leider ging in der Zwischenzeit bereits vieles verloren, obwohl im November 2011 ein dringender schriftlicher Appell des „Kuratoriums" an den damaligen Landesrat Thomas Widmann und Bürgermeister Christian Tschurtschenthaler gerichtet wurde mit der Bitte, das noch vorhandene Stellwerk aus dem Baujahr 1871 nicht dem Verfall preiszugeben, obwohl die dazugehörige Waage bereits zerstört war.

Nun ersuchen wir erneut darum, dieses wertvolle Zeugnis der k.u.k. -Baukultur unbedingt zu erhalten; es könnte bestens als historisch-touristische Attraktion genützt werden. Im historischen Holzbaugebäude könnten man beispielsweise Geräte aus der Gründerzeit unterbringen und mit entsprechender Dokumentation über die Pionierzeit der Eisenbahn informieren.

Dr. Christine Baumgartner, Plattform Pro Pustertal
Dr. Claudia Plaikner, Heimatpflegeverband
Dr. Wittfrieda Mitterer, Kuratorium für die Erhaltung Technischer Kulturgüter

Bruneck/Olang/Bozen, 10.02.2019


Die Lerche - Vogel des Jahres 2019

Lesen Sie mehr dazu hier


Gesamttiroler Heimatpfleger-Treffen

32. Generalversammlung der Nord-, Ost-, Süd- und Welschtiroler Heimatpfleger - Resolution

Am Samstag, 1. Dezember 2018 haben sich die Vorsitzenden und Mitglieder der Landesvorstände zum alljährlichen Gesamttiroler Heimatpfleger-Treffen in Frangart/Eppan eingefunden. Aus aktuellem Anlass haben die Gesamttiroler Heimatpfleger*innen eine Resolution zum Grenzenlosen Wachstum verfasst, die Sie nachfolgend lesen können.

Tourismus in Südtirol - Die Grenzen des Wachstums – ein Appell an Politik und Wirtschaft

WENIGER IST MEHR 1)

Die Fremdenverkehrswirtschaft jubelt über Rekordzuwächse im Sommertourismus („ein Plus von 2% im Sommerhalbjahr 2018“). Gleichzeitig jedoch mahnt LH Arno Kompatscher, dass „in Teilen Südtirols die zahlenmäßige Grenze inzwischen erreicht sei; deshalb herrsche mittlerweile große Einigkeit darüber, dass man nicht mehr Wachstum, sondern mehr Nachhaltigkeit anstreben müsse" (zit nach: Dolomiten, 01.12.2018). Und die Südtiroler Wirtschaftszeitung titelte schon im August 2018 mit Blick auf die absehbaren Grenzen des touristischen Wachstums: „Genug kann auch genügen“.

Diese Einschätzungen teilen wir vorbehaltlos! Doch aus Erfahrung wissen wir auch, wie schnell solche Mahnungen im Erfolgsjubel der für den Tourismus Verantwortlichen verhallen können.

Tatsächlich erleben wir seit einigen Jahren einen starken und „nachhaltigen“ Wachstumsschub beim Fremdenverkehr in unserem Land, mit jährlichen Zuwachsraten zwischen 5-6% sowohl bei den Ankünften als auch bei den Nächtigungen: Letztere überschritten im Jahr 2018 die 32-Millionen Marke.... Die Gründe liegen in der weltweit starken Konjunktur, in einer neuen Beliebtheit von Nahräumen wie der Alpen – auch angesichts der Angst vor Terrorismus und im Zeichen des Klimawandels in den wärmer werdenden Perioden auf der Suche nach der „Sommerfrische“. Dazu kommt, dass Südtirol als Gastland tatsächlich „qualitativ aufgerüstet“ hat und sein Leistungsangebot in allen Teilbereichen der Branche verbessert und ausgeweitet hat.

Doch dieser Boom hat eine negative Kehrseite – und diese spüren wir von Jahr zu Jahr stärker, sommers wie winters, -in unseren Städten, Tälern und auf unseren Bergen: Die Grenzen dieses Wachstums sind vielerorts erreicht! Dieses Wachstum bedarf allzu vieler Gäste, es produziert zu viel Beton und zu viele Betten; dieses Wachstum produziert bedrohlich anschwellende Verkehrslawinen (denn nur 10-15% der Touristen erreichen Südtirol mit öffentlichen Verkehrsmitteln); dieses Wachstum lässt die Preise auf Kosten der Ansässigen steigen; dieses Wachstum bringt insgesamt einen erhöhten Verbrauch von Landschaft und Ressourcen mit sich und eine größere Belastung des Gebietes und der Umwelt. Und bedenklich ist: Das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft vom Juni 2018 hat schon die Weichen für eine weitere rasante Tourismusentwicklung gestellt.

Angesichts dieser Entwicklung appellieren wir an Landespolitik und Wirtschaft:

Wenn Südtirols Natur und Landschaft ihre herausragende natürliche Qualität weiterhin, also „nachhaltig“, behalten sollen, dann muss die Tourismusentwicklung im Sinne eines strategischen Maß-Haltens und Gegensteuerns grundsätzlich überdacht werden und zwar in Richtung „sanfte Mobilität – „Klimaland“ – „Bio-Land“. Dies im besten Wortsinn des Leitgedankens von Mies van der Rohes Architektur.

Claudia Plaikner – Konrad Roider – Walther Eccli

1) Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969)