Tätigkeitsprogramm
Schwerpunkte für das kulturelle Tätigkeitsprogramm 2012
Der Heimatpflegeverband Südtirol wird sich auch im Jahr 2012 bemühen, die vom Statut vorgegebenen Zielsetzungen zu erreichen und sich mit aller Kraft für die Erhaltung und Pflege des Natur- und Kulturerbes in Südtirol einsetzen.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass vielfach Initiativen und Aktionen erst während des Vereinsjahres spontan und aus einer Notwendigkeit heraus entstehen, was die Erstellung eines genauen Programmes im Voraus schwierig macht. Die Hauptaufgabe des Verbandes wird jedoch auch im Jahr 2012 darin bestehen, die Umwelt und das heimatliche Landschaftsbild zu schützen und alles zu pflegen, was die Eigenart unserer Heimat im weitesten Sinne des Wortes ausmacht.
In den verschiedenen Bereichen der Heimatpflege sind folgende Tätigkeiten geplant:
1) Natur- und Umweltschutz
Der Natur- und Umweltschutz stellt neben dem Ortsbildschutz und der Ortsbildpflege, dem Ensembleschutz und der Raumordnung eine grundlegende Aufgabe der Heimatpflege dar. Für 2012 ist wieder die Abhaltung einer Naturschutzwoche geplant, die seit dem fernen Jahre 1970 vom Heimatpflegeverband Südtirol gemeinsam mit der Landesabteilung Natur und Landschaft, dem Katholischen Südtiroler Lehrerbund und dem Pädagogischen Institut organisiert wird. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Lehrpersonen aller Schulstufen, aber auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie an Behörden und Entscheidungsträger. Nachdem die Vereinten Nationen das Jahr 2011 zum „Internationalen Jahr der Wälder“ ausgerufen haben, wird sich auch die Naturschutzwoche dieser Thematik annehmen. Als Austragungsort der 20. Naturschutzwoche wurde Langtaufers gewählt, ein Hochgebirgstal im oberen Vinschgau, dessen Natur zahlreiche Lernmöglichkeiten bietet.
Für 2012 sind weiters eine Reihe von Sensibilisierungsaktionen geplant, die sich vor allem an die Jugendlichen richten. So soll u.a. im Online-Jugend-Gewinnspiel syndromeX ein gesamtes Jahresmodul rund um das Thema Raumordnung erarbeitet und ins Netz gestellt werden. Im Bereich der Jugendarbeit wird der Heimatpflegeverband-Südtirol auch 2012 wieder Ortsbegehungen anbieten, um auf heimatkundliche Besonderheiten vor Ort hinzuweisen.
Weiters wird sich der Heimatpflegeverband Südtirol 2012 wieder gezielt für die Erhaltung der wertvollen Natur- und Kulturgüter einsetzen, gegen jegliche Zerstörung ankämpfen und Alternativen aufzeigen. Die zahlreichen Ortsbeauftragten, Vereinsmitglieder und Bezirksobleute werden sich auch 2012 wieder in ehrenamtlicher Tätigkeit den vielfältigen Aufgaben in diesen Bereichen widmen.
Die Landeskunde Gesamttirols soll in Absprache mit der Fakultät für Bildungswissenschaften, Brixen den Schülerinnen und Schülern durch gezielte Aktionen vermittelt werden.
Der Verband plant auch Aktionen zur Lösung von Umweltproblemen (z.B. Deponien, E-Werke) und zur Verbesserung der derzeitigen Situation des öffentlichen Verkehrs im Lande. Er wird sich auch gegen weitere Skigebiets- und Gletschererschließungen zur Wehr setzen. Wir brauchen letzte Reserven unserer heimatlichen Natur und Landschaft.
2) Erhaltung der historischen Bausubstanz – Ensembleschutz
Mit der Verabschiedung der Maßnahmen zur Umsetzung des Ensembleschutzes (Beschluss der Landesregierung Nr. 3937 vom 4.11.2004) sind auf den Heimatpflegeverband-Südtirol neue Aufgaben zugekommen, die er seither versucht, bestmöglich zu bewältigen.
Die Landesregierung hat für die Begutachtung der Vorschläge der unter Ensembleschutz zu stellenden Liegenschaften zwar einen Sachverständigenbeirat eingesetzt, dieses dreiköpfige Fachgremium ist jedoch nicht in der Lage, flächendeckend und im erforderlichen Ausmaß die Bewusstseinsbildung für den Ensembleschutz zu fördern. Dies hat zur Folge, dass immer häufiger Gemeinden an den Heimatpflegeverband-Südtirol mit der Bitte herantreten, sie bei der Suche und Ausweisung von Ensembles zu beraten und ihnen bei der Erstellung des Verzeichnisses behilflich zu sein.
So hat der Heimatpflegeverband-Südtirol, der den Ensembleschutz als erster in Südtirol gefordert und sich seit jeher dafür stark gemacht hat, unter Einbeziehung von Fachleuten (u.a. Architekten, Kunsthistoriker, Urbanisten, Landschaftsplaner) im abgelaufenen Vereinsjahr bereits mehrere Ortsbegehungen organisiert und mit Erfolg durchgeführt. Für 2012 liegen bereits wieder einige Anfragen auf, sodass in diesem Bereich mit einem weiteren Zuwachs der Tätigkeit zu rechnen ist.
Überall dort, wo der amtliche Denkmalschutz nicht eingreifen kann, wird der Verband wie bisher –großteils durch ehrenamtliche Tätigkeit– versuchen, mit gezielten Aktionen wie Bauberatung, Vorträgen oder Ausarbeitung von Alternativvorschlägen zur Erhaltung der gefährdeten historischen Bausubstanz beitragen.
Für 2012 ist geplant, einen Bauherr/Innen Preis ins Leben zu rufen, der darauf abzielt, zur Erhaltung unseres leider ständig und stätig schwindenden Kulturerbes beizutragen. Ein entsprechender Vorschlag wurde bereits 2010 den Landesräten Dr. Kasslatter Mur, Dr. Mussner, Berger und Dr. Laimer unterbreitet.
Weiters ist geplant, sich im Herbst/Winter 2012 zusammen mit den Nord- und Osttiroler Heimatpflegern an der vom Landesdenkmalamt organisierten Wanderausstellung zum Thema „Weiterbauen am Land“ durch gezielte Aktionen (z.B. Höfebegehungen) zu beteiligen und so der Frage nach dem Umgang mit dem kulturellen Erbe im ländlichen Raum nachzugehen und die verschiedenen Blickwinkel zwischen Entwicklung und Bewahrung aufzuzeigen.
3) Volkskunde und Volkskultur
Im Vereinsjahr 2012 plant die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht folgende Arbeiten durchzuführen:
- Vier bis sechs Sitzungen im Jahr mit allen Mitgliedern der Arge und zusätzlich fachspezifische Arbeit in Kleingruppen
- Zusammenarbeit mit den Fachberatern betreffend Trachtenschneiderei, Lederhosen, Gurten und Silberschmiedearbeiten, Trachtenschuhe und Trachtenhüte
- Trachtenberatung für Vereine, bäuerliche Organisationen und Privatpersonen
- Informationsveranstaltungen zur Geschichte und zum Tragen der Tracht je nach Anfrage
- Erstellen des Fachgutachtens für das Landesamt für Kultur sowie für das Amt für Kabinettsangelegenheiten
- Trachtenschneider-Fortsetzungskurs für Männertrachten in Zusammenarbeit mit der Landesberufsschule „Luis Zuegg“ Meran
- Ausarbeitung der im Jahr 2010 durchgeführten landesweiten Trachtendokumentation in Zusammenarbeit mit SSB und VSM
- Ausarbeitung von Fachbeiträgen zu den einzelnen Trachtenteilen
- Intensive Zusammenarbeit mit der SBO in Bezug auf Trachten
- Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz
- Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch mit Trachtenfachleuten aus Nord- und Osttirol, Vorarlberg, Salzburg und Bayern
- Eine Bildungsfahrt mit interessantem Ziel bezüglich Tracht
- Mitarbeit und Teilnahme an der Veranstaltung „Altes Handwerk Tirol“ in Seefeld
- Besuch von Weiterbildungsveranstaltungen
- Artikel zur Tracht in verschiedenen Printmedien, vor allem im „Kulturfenster“
- Radio- und Fernsehsendungen zur Tracht im Rai-Sender Bozen
- Erweiterung der Trachtenliteratur in der Fachbibliothek des Heimatpflegeverbandes
- Homepage der Arge
Auch im Vereinsjahr 2012 wird in der Arbeitsgemeinschaft der MundartsdichterInnen der Schwerpunkt auf die Fortbildung gesetzt. So sollen von Januar bis Juni in Südtirols Bildungshäusern wieder regelmäßig Schreibseminare, Sprach- und Stimmtrainings sowie Vorträge stattfinden und im Herbst fortgesetzt werden.
Als besonderes Angebot soll Anfang Juli ein mehrtägiges Seminar in der deutschen Sprachinsel Zahre/Sauris im Friaul stattfinden. Eingeladen sind neben allen „MundARTigen“ alle Personen, die mehr über diese Gegend mit der mittelalterlich anmutenden deutschen Sprache erfahren wollen.
Das Angebot der öffentlichen Lesungen und somit des Sprachkontaktes mit
anderen Rezipienten soll ausgebaut werden. Eine Zusammenarbeit mit dem Amt für Bibliothekswesen, aber auch eigene Leseaktionen, eingebunden in kulturelle Veranstaltungen, sind geplant.
Weitergeführt werden auch die traditionellen Lesungen wie die „Hennaschtund“ in der Bibliothek in Mals oder der Nachmittag zugunsten des „Bäuerlichen Notstandfonds“ im Passeier.
4) Bau-, Ortsbild- und Friedhofspflege
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Bevölkerung vor Ort in Sachen "Richtiges Bauen und Sanieren" aufzuklären und in den Bereichen Dorfbild- und Friedhofspflege sowie Ensembleschutz fachmännisch zu beraten. Im Jahre 2012 plant der Heimatpflegeverband-Südtirol daher verstärkt Beratungen anzubieten und Lokalaugenscheine, Ortsbegehungen, Tagungen und Exkursionen durchzuführen.
5) Weiterbildung und sonstige Veranstaltungen
In den einzelnen Bezirken sollen neben den regelmäßigen Bezirkssitzungen ab und zu auch Vorstandssitzungen abgehalten werden, um die Kommunikation zwischen Verbandsführung und Bezirken zu intensivieren.
Der Heimatpflegeverband-Südtirol wird auch im kommenden Jahr eine Reihe von Vorträgen zum Thema Heimatpflege, Trachten- und Friedhofspflege anbieten, Lehr- und Bildungsfahrten organisieren sowie Fachtagungen abhalten.
Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit wird der Heimatpflegeverband versuchen, in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen, Lehrmaterial zur Landeskunde Gesamttirols zu erarbeiten und es dann dem unterrichtenden Personal zur Verfügung zu stellen.
6) Kulturelle Projekte
Natur- und heimatkundliche Wanderungen für Schüler und Familien zum Thema „Kennst Du den Ort, in dem Du lebst?“.
Weiters ist 2012 geplant, in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Institut und dem Filmproduzenten Christian Bassani Kurzfilme zum Thema „Berufe früher“ zu erstellen und diese einmal als DVD den Schulen zur Verfügung zu stellen und parallel dazu im entsprechenden Kontext mit Unterrichtsvorschlägen auf dem Bildungsserver blikk platzieren.
7) Erhaltung von Flur- und Kleindenkmälern – Pflege der Kulturlandschaft
Seit vielen Jahren setzt sich der Heimatpflegeverband-Südtirol mit Erfolg für die Instandhaltung und Restaurierung von Stroh- und Schindeldächern, Holzzäunen, Backöfen, Kapellen, Bildstöcken und Mühlen ein und bemüht sich, für die jeweiligen Antragsteller eine finanzielle Unterstützung durch die Abteilung Natur und Landschaft in der Südtiroler Landesregierung zu erlangen.
Dank dieser Initiative konnten im Vereinsjahr 2010 wieder über 500 Objekte saniert und rund 720.000 Euro an Landesbeiträge vermittelt werden.
Die 20 Sachbearbeiter im Heimatpflegeverband Südtirol und die zahlreichen Heimatpfleger vor Ort werden auch im Jahr 2012 ihre Bemühungen in diesem Bereich mit unvermindertem Einsatz fortführen, zumal es sich dabei um charakteristische Elemente unserer Kulturlandschaft handelt und es als wichtige Aufgabe angesehen wird, den künftigen Generationen die besondere Eigenart unseres Landes zu bewahren.
8) Fachberatungen, -referate, -Exkursionen und Fachgutachten in den Bereichen Ortsbildschutz und Ortsbildpflege, Landschafts- und Naturschutz sowie Raumordnung, Kulturlandschaft- und Baupflege
Auf der Grundlage der Vorstandsbeschlüsse von 1994, 1997 und 2004 sowie der nunmehr langjährigen, positiven Erfahrungen und der daraus resultierenden Erfolge für die Heimatpflege möchte der Verband auch 2012 wieder Fachberatungen und Fachexkursionen zu den unterschiedlichsten Themen anbieten und falls gewünscht und erforderlich, Fachgutachten erstellen und Fachvorträge organisieren. Hierfür wird der Verband sowohl Experten von außen bestellen, als auch -angesichts der unbestritten hohen Qualifikation des Obmannes in den Bereichen Heimat-, Natur- und Umweltschutz sowie Raumordnung- ihn dafür beauftragen. Die unzähligen, hoch qualifizierten Fachgutachten- und vorträge zu den unterschiedlichsten Themen der Heimatpflege haben bislang jeder Überprüfung und Kritik standgehalten und in der Öffentlichkeit eine hohe Akzeptanz erfahren. Diese Aktion zur Sensibilisierung soll daher weitergeführt werden.
9) Gesamttiroler Heimatpfleger
Die Gesamttiroler Heimatpfleger werden sich auch 2012 wieder zu mehreren Sitzungen und zu einer Generalversammlung treffen, um über gemeinsame Aktionen zur Sensibilisierung für das Natur- und Kulturerbe Gesamttirols zu beraten und gegen den immer stärker werdenden Transit anzukämpfen.
Das Tätigkeitsprogramm wurde von Verbandsgeschäftsführer Josef Oberhofer zusammengestellt und
vom Landesvorstand in der Sitzung Nr. 348 vom 06.10.2011 einstimmig genehmigt.