Antrittsbesuche

Geschichte und Kultur stärken

Einen Monat nach ihrer Wahl hat die neue Obfrau des Heimatpflegeverbandes, Claudia Plaikner, Kulturlandesrat Philipp Achammer einen Antrittsbesuch abgestattet und bei dieser Gelegenheit ihr Programm und ihre Wünsche für die Zusammenarbeit besprochen.

Breiten Raum nahm bei der Aussprache das Kulturerbe ein – auch angesichts des Europäischen Jahres des Kulturellen Erbes, das die EU-Kommission für 2018 ausgerufen hat, um auf die reiche nationale, regionale und lokale Vielfalt als Schlüsselkomponente für den Austausch zwischen Menschen aller Altersgruppen, sozialer Herkunft und Kulturen aufmerksam zu machen. Neben dem gesellschaftlichen Beitrag soll aber auch das wirtschaftliche Potential des Europäischen Kulturerbes in den Mittelpunkt gestellt werden.

„Der Heimatpflegeverband spielt als landesweite Vertretung der Südtiroler Vereine, die auf dem Gebiet des Heimatschutzes und der Heimatforschung tätig sind, eine zentrale kultur- und gesellschaftspolitische Rolle“, betont Achammer. „Das Kulturerbejahr 2018 ist eine weitere Gelegenheit, um das Bewusstsein für die eigene Geschichte und Kultur zu stärken. Dabei soll aber auch die Frage nach dem Verbindenden auf europäischer Ebene eine Rolle spielen.“

Am Treffen nahmen auch der Landesobfrau-Stellvertreter, Josef Vieider, der Verbandsgeschäftsführer, Josef Oberhofer, und Architekt Bernhard Lösch als Vorstandsmitglied teil.

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Allgemeininteressen vor Privatinteressen!

Die neue Landesobfrau der Heimatpfleger stattet im Beisein einiger ihrer engsten Mitarbeiter Landesrat Dr. Florian Mussner einen Antrittsbesuch ab.

Der Schutz des Natur- und Kulturerbes, und dazu zählt zweifelsohne auch die Denkmalpflege, gehören seit jeher zu den Kernaufgaben des Heimatpflegeverbandes Südtirol. Claudia Plaikner, die frisch gewählte Obfrau im Heimatpflegeverband, möchte diese Arbeit nicht nur weiterführen, sondern noch stärker begleiten. Sie hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die vielen gemeinsamen Anliegen der Heimatpflege und der Denkmalpflege zu verfolgen und -wo immer möglich- zu unterstützen, weshalb sie mit einem ganzen Bündel an Anregungen und Wünschen sowie auch einigen Kritikpunkten dem zuständigen Landesrat für Denkmalpflege Florian Mussner einen Antrittsbesuch abgestattet hat.

Es sei, so Plaikner, gleich zu Beginn der rund einstündigen Unterredung, eine enorm wichtige Aufgabe der Denkmalpflege, sich für die Erhaltung der historischen Bausubstanz einzusetzen und alles daran zu setzen, diese zu erhalten. Und genau dort vermisst der Heimatpflegeverband oftmals den Denkmalschutz, der leider nicht mehr so schlagkräftig ist, wie er sein sollte. Viel zu oft wird in letzter Zeit von Seiten der Politik den unterschiedlichsten Forderungen der Besitzer nachgegeben, was in den allermeisten Fällen zur Folge hat, dass dem jeweiligen Denkmal zwar nicht sein Status als solches entzogen wird, es aber seiner Seele beraubt wird und nur mehr Profit- und Privatinteressen dienlich ist. Als konkrete Beispiele nennt die Landesobfrau den Freihof in Raminges, das Zehentmesserhaus in Sarnthein, den Schwärzlerhof in Gossensass sowie den Heiligenhof und den Stocknerhof in Latsch. Plaikner spricht in diesem Zusammenhang auch das jüngste Problem bei der Sichelburg in Pfalzen an, wo man die Wohnbauzone viel zu nahe an das Denkmal herangeplant hat und damit den indirekten Denkmalschutz missachtet.

Die Heimatpfleger wünschen sich daher von der Politik und auch vom zuständigen Landesrat für Denkmalpflege eine viel klarere und konsequentere Linie, die dem Allgemeininteresse und der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Es gibt -so die Landesobfrau- eine sehr probate Methode im Umgang mit öffentlichem und privaten Interesse für die politischen Entscheidungsträger, nämlich sich -ungeachtet der Person- an das Gesetz zu halten. Das gebe auch den Politikern eine große Freiheit. Die zunehmende Einmischung der Politik in Fachfragen wird hingegen von den Heimatpflegern für nicht gut empfunden.

Die jüngsten Ereignisse in Glurns, wo die Landesregierung auf Empfehlung des Denkmalamtes den lobenswerten Beschluss gefasst hat, einen 100 m breiten Bannstreifen um die Stadt zu errichten, damit die uneingeschränkte Sicht auf dieses einzigartige Denkmal erhalten bleibt, verdeutlichen die Befürchtungen der Heimatpfleger, denn andere Politiker machen sich nun für Privatinteressen stark und ringen nach Kompromissen, die die ganze Sache ad absurdum führen.

Die Landesobfrau der Heimatpfleger spricht neben vielen anderen Problemfällen auch jenes rund um den Hofburggarten in Brixen an, wo wiederum die Politik nicht den nötigen Mut aufzubringen scheint, eine offensichtlich eventbegeisterte und von Tourismustreibenden inspirierte Gemeindeverwaltung in die Schranken zu weisen und den historischen Garten aus dem 13 Jh. in seiner Form zu erhalten und seinem Zweck, nämlich jenem eines öffentlichen Gartens, beizubehalten.

Wenngleich Landesrat Mussner nicht auf alle Fragen, Wünsche und Anregungen der Heimatpfleger eine zufriedenstellende Antwort geben konnte, so ist man dennoch mit dem Gefühl auseinandergegangen, sich etwas angenähert zu haben.

Die von Landesrat Mussner abschließend geäußerte und auf einen Medienbericht fußende Vermutung, dass die Landesobfrau ein gestörtes Verhältnis zu den Ladinern hätte, wurde kategorisch verneint. Im Gegenteil: im Heimatpflegeverband werden die Ladiner sehr hoch geschätzt.

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Mit vereinten Kräften im Einsatz für Natur, Landschaft und Mensch

Bereits seit vielen Jahren arbeiten der Alpenverein Südtirol, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und der Heimatpflegeverband Südtirol im Bereich Erhaltung unserer Natur- und Kulturlandschaft eng zusammen und wehren sich gegen zerstörerische Großprojekte. Die neue Landesobfrau des Heimatpflegeverbandes, Claudia Plaikner, möchte diese Tradition nicht nur beibehalten, sondern will sie weiter ausbauen. Aus diesem Grunde hat sie am 12.06.2017 die Vorsitzenden von AVS und Dachverband, Georg Simeoni und Klauspeter Dissinger, mit ihren Geschäftsführern, Ausschussmitgliedern und Mitarbeiter*Innen zu einer Aussprache eingeladen.

Erfreut darüber, dass so viele ihrer Einladung gefolgt sind, geht die Landesobfrau gleich in medias res und spricht das neue Raumordnungsgesetz an. Jetzt, wo der zuständige Landesrat den partizipativen Teil für abgeschlossen erklärt hat, kommt bei allen drei Verbänden großes Unbehagen auf, denn nur sehr wenige der eingebrachten Vorschläge wurden, so geht es aus dem Letzten Entwurf hervor, in das Gesetz bisher aufgenommen. Nun wird auf der Ebene der Beamten, die oftmals einem Diktat unterliegen, was der Sache nicht unbedingt dienlich ist, weitergearbeitet. Hinzu kommt, geregelt werden wird, von denen wir nicht wissen, was da auf uns zukommt. Die drei Verbände sehen mit großer Sorge dem neuen Raumordnungsgesetz entgegen, denn der Druck auf den Raum und die Landschaft, der von wirtschaftlich geprägten Interessensgruppen kommt, ist enorm und birgt große Gefahren in sich.

In diesem Zusammenhang wird auch der geplante skitechnische Zusammenschluss Langtaufers-Kaunertal angesprochen, ein Projekt, das von den Betreibern sehr präpotent vorangetrieben wird und auf reinem Profitdenken fußt. Dabei haben die drei Verbände mehrfach Alternativen aufgezeigt und auf den Wert der Kulturlandschaft des Lantauferertales hingewiesen.

Sorgen bereiten den Verbänden auch die Bergradfahrer (Mountainbiker), die sich in immer höhere Regionen vorwagen und mit ihren rasanten Abfahrten (Downhill) nicht nur das Wild stören, sondern die sensiblen Böden ruinieren und für die friedliebenden Bergwanderer mitunter eine Lebensbedrohung darstellen.

Ähnlich wie beim Raumordnungsgesetz ist es den drei Verbänden auch beim Thema Almerschließungen ergangen, denn obwohl sie in die vom Land eingerichtete „Arbeitsgruppe Almerschließungen“ geholt wurden und ihre Vorschläge deponieren durften, wurden diese bis heute nicht in ein verbindliches Gesetz aufgenommen, sondern das zuständige Landesamt hat Kriterien ausgearbeitet, die mit den Mitgliedern nicht vereinbart wurden. Die Liste mit den verschiedenen zu schützenden Almen ist hingegen verschwunden.

Am Ende der rund zweistündigen Unterredung wurde festgehalten, dass es zu einer ihren institutionellen Aufgaben gehört, sich für den Erhalt unserer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft sowie für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen und der künftigen Generationen einzusetzen. Dementsprechend will man auch weiterhin die Kräfte bündeln und punktuell die notwendigen Initiativen ergreifen. Es wurde beschlossen, sich künftig mindestens 2 Mal pro Jahr zusammenzusetzen, um über die verschiedenen Anliegen zu diskutieren und den operativen Teil über die digitalen Medien abzuwickeln. Zufrieden über die Aussprache und voller neuer Impulse haben sich die drei Verbände wieder getrennt, um ihrem Tagesgeschäft nachzugehen.

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Heimatpfleger vertreten keine Lobby, sie arbeiten für die Allgemeinheit

Die neue Landesobfrau des Heimatpflegeverbandes stattete im Beisein einiger Vorstandsmitglieder Landesrat Arnold Schuler einen Antrittsbesuch ab

Dass Heimatpflege und Landwirtschaft viele Berührungspunkte haben, waren sich Landesrat Arnold Schuler und die Vertreter des Heimatpflegeverbandes einig. Der Schutz von Grund und Boden sowie der sparsame Umgang damit, sei ein Gebot der Stunde und muss gemeinsam vorangetrieben werden. Landesrat Schuler meinte, dass der Druck auf jeden Quadratmeter in unserem Lande enorm sei, und es somit auch weiterhin viele Detailregelungen brauchen wird. Die Landesobfrau überreichte in diesem Zusammenhang dem Landesrat die vom Heimatpflegeverband erarbeitete Stellungnahme mit Verbesserungsvorschlägen zum neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft und hofft, dass dieses in seiner endgültigen Fassung auch die Handschrift des Verbandes trägt. Der Landesrat ist der Auffassung, dass es nicht möglich sein wird, ein einfaches Gesetz zu schreiben. „Wo niemand mehr bauen will braucht es kein Raumordnungsgesetz, Südtirol ist jedoch ein begehrtes Bauland und es gilt, die Entwicklung von Neubauten in unserer Landschaft in die bestmögliche Richtung zu begleiten“, so Schuler.

Ein weiteres Thema, welches die Heimatpfleger bereits seit langem beschäftigt, ist der Ensembleschutz. Plaikner beklagt, dass sich vielfach die örtlichen Bauernvertreter speziell im Pustertal dagegen aussprechen und immer die Angst von der sogenannten „Käseglocke“ schüren. Für die Vertreter des Heimatpflegeverbandes entspricht dies nicht der Wahrheit. Für sie stellt der Ensembleschutz einen Mehrwert dar, da er viel Gestaltungsfreiheit zulasse und die betreffende Umgebung aufwertet. Was fehlt, sei ein finanzieller Anreiz. Landesrat Schuler ist überzeugt, dass die Ängste und das Misstrauen gegenüber

dem Ensembleschutz abgebaut werden müssen. Finanzielle Anreize sind laut Schuler nicht der richtige Weg, es könnte jedoch an andere Anreize gedacht werden.

Landesobfrau Plaikner sprach anschließend die Skierschließungspläne im Land an und hofft auf eine Solidarisierung von Seiten des Landesrates und der Bauern im Kampf gegen diese Projekte. Es geht nach Ansicht des Verbandes auch hier um Grundverbrauch und vielfach um die Zerstörung von intakter Natur- und Kulturlandschaft. Dem Landesrat bereiten indes die Seitentäler speziell im Vinschgau große Sorgen. Diese sind von geringen Arbeitsmöglichkeiten und damit von Abwanderung bedroht. Die Wirtschaftstreibenden sind gefordert, innovative Vorschläge umzusetzen, um attraktive Arbeitsplätze auch in der Peripherie zu erhalten.

Einig waren sich die Heimatpfleger und der Landesrat in Sachen Almerschließungen dahingehend, dass nicht jede Alm erschlossen werden muss und dass jene, welche laut der von der Arbeitsgruppe erstellten Liste erschlossen werden dürfen, von Fall zu Fall begutachtet werden müssen.

Des weiterem kam die Entwicklung der vermehrten Mountain- und E-Biker zur Sprache. Landesrat Schuler berichtete von einer Arbeitsgruppe, welche an verschiedenen Lösungen für ein neues Zukunftsmodell arbeitet. Landesobfrau Plaikner plädiert für eine rigide Regelung mit Lenkungsmaßnahmen: „Die Fahrwege für die Bergradler müssen klar ausgewiesen werden und die anderen Wege und Steige gehören den Wanderern.“. Eine solche rigide Trennung effizient zu kontrollieren, sei sehr schwierig, so die abschließende Meinung des Landesrates.

Abschließend sprach der Bezirksobmann der Vinschger Heimatpfleger, Franz Fliri, den Landesrat auf die Bannzone um die Stadt Glurns an und brachte seine Sorge zum Ausdruck, dass der jüngste Fall Schule machen könnte. Landesrat Schuler erklärt, dass das Vorgehen des Landwirtes dem Beschluss der Landesregierung entspricht. Grundsätzlich sollten nicht Auflagen das Ziel sein. Um Schutzzonen, sowie Denkmalgeschützten Bauten und Orten sollte ein Flächentausch angestrebt werden. „Ich bin bemüht auch im Falle von Glurns eine entsprechende Lösung zu finden“, so Landesrat Schuler abschließend.

Die rund einstündige Aussprache endet mit der gegenseitigen Absichtserklärung, künftig enger zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen.

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Heimatpfleger bei Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher

Die neue Spitze des Heimatpflegeverbandes ist erstmals mit LH Kompatscher zusammengetroffen. Im Mittelpunkt stand das neue Raumordnungsgesetz.

Die Spitze des Heimatpflegeverbands um Präsidentin Plaikner ist gestern erstmals mit Landeshauptmann Kompatscher zusammengetroffen - Foto: LPA/mgp

Derzeit wird dem Entwurf eines neuen Gesetzes für Raum und Landschaft, der über einen Beteiligungsprozess entwickelt wird, der letzte Schliff gegeben. Die Möglichkeit für Vereine und Verbände, im Rahmen dieses partizipativen Prozesses, sich einzubringen und mitzugestalten, wurde heute von der Delegation des Heimatpflegeverbandes ausdrücklich begrüßt. Gegenüber dem Landeshauptmann äußerten Präsidentin Plaikner sowie die Vorstandsmitglieder Franz Fliri, Johannes Ortner und Bernhard Lösch den Wunsch, dass dieser Beteiligungsprozess auch bei der Erstellung der Durchführungsverordnung fortgesetzt werde.

„Der Beteiligungsprozess führt zwar dazu, dass sich angesichts der vielen Stellungnahmen die Arbeiten am Gesetz in dies Länge ziehen“, erklärte gegenüber den Heimatpflegern Landeshauptmann Kompatscher, „er macht aber einen Interessensausgleich möglich. Dies ist für ein Gesetz wie das Raumordnungsgesetz, mit dem die Weichen für die Entwicklung des Landes gestellt werden, unumgänglich“. Daher, so der Landeshauptmann, solle die Vorgehensweise auch in Zukunft beibehalten werden.

Weiteres Gesprächsthema war der Umgang mit dem Kulturgrund. Dabei verwies Präsidentin Plaikner auf die Bedeutung des Kulturgrundes und sprach sich für einen sparsamen Umgang damit aus, gerade Natur und Landschaft würden für die Bewerbung Südtirols als touristische Destination herangezogen. Es gelte, die bestehende Infrastruktur bestmöglich zu nutzen und Zersiedelung zu vermeiden, betonten die Heimatpfleger. Landeshauptmann Kompatscher sprach sich auch bei diesem Thema für einen Interessensausgleich aus.

 

 


[1]Academia #75, September 2016, p. 32

 


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