70 Jahre Heimatpflegeverband

Der Heimatpflegeverein feiert Geburtstag. Am Samstag, 7. September lud der Heimatpflegeverband Südtirol zur Jubiläumsfeier auf Schloss Matschatsch oberhalb von Eppan. Dabei durfte Obfrau Claudia Plaikner über 100 Geladene aus den Heimatpflegevereinen, aus Politik und Gesellschaft und natürlich von den Partnerverbänden begrüßen, um 70 Jahre Heimatpflegeverband zu feiern.

Der Austragungsort der Jubiläumsfeier war nicht zufällig gewählt: Am Sonntag, 21. August 1949 wurde anlässlich einer Brauchtumstagung auf Matschatsch der Verband für Heimatpflege gegründet. Nachdem bereits ab 1907 die ersten Heimatschutzvereine entstanden, wurden nun die Kräfte der einzelnen Vereine innerhalb eines gemeinsamen Verbandes gebündelt. Heute zählt der Heimatpflegeverband 37 Mitgliedsvereine und knapp 5000 Mitglieder.

© 2019 Heimatpflegeverband Südtirol

Obfrau Claudia Plaikner: „Wir feiern unsere Gemeinschaft“!
In ihrer Rede betonte die Obfrau, dass der Heimatpflegeverband eine Gemeinschaft sei, die seit 70 Jahren im Dienst von Kultur- und Landschaftspflege, Denkmal- und Brauchtumspflege steht – ein wesentlicher Aspekt, denn nur in der Gemeinschaft erleben wir Zugehörigkeit, tauschen uns über Anliegen und Ziele aus und nur in der Gemeinschaft gibt es die Möglichkeit geselliger, beziehungsreicher und verantwortungsbewusster Mitgestaltung von Heimat.
Heimat bedeutet für Claudia Plaikner auch Verantwortung: Verantwortlich sein dafür, wie mit der Natur umgegangen wird, dafür, wie die Werte im Zusammenleben der Menschen respektiert werden, verantwortlich für die tradierten Kulturgüter, verantwortlich für die Welt, die wir unsere Jugendlichen übergeben.
Abschließend bedankte sich die Obfrau Claudia Plaikner bei allen, die bereit sind diese Verantwortung zu übernehmen: Ich danke den vielen heimatverbundenen Menschen, die in irgendeiner Weise mit Ihrem Einsatz, mit ihrer Positionierung, mit ihrer Überzeugungsarbeit, mit ihrem Beispiel, mit Herz und Vertand  unsere Heimat ein Stück weit lebens- und liebenswerter gemacht haben und machen.

© 2019 Heimatpflegeverband Südtirol

Festrede: Verantwortung und Schönheit
Historiker Hans Heiss warf in seiner Festrede einen Blick auf 70 Jahre Heimatpflege im Spiegel der Verbandsgeschichte und strich die Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft heraus.
Im 70. Gründungsjahr, so Heiss, hält der Landesverband zweifellos an einer doppelten Schwelle: Er muss seine Aufgabenfülle entlang neuer Schwerpunkte ausrichten und in zweiter Hinsicht den Begriff von Heimat konsequent ausbauen.
Das Filettieren der Landschaft, ihr Planieren und Verbauen bedeutet nicht nur Einbuße an Qualität, Biodiversität und Ressourcen, sondern auch das Unterminieren einer Grundsäule Südtirols. Die Blindheit für diese Tatsache ist beeindruckend: Wo der Erhalt und die Pflege von Landschaft oberste Priorität haben müssten, gibt es oft nur matte Gegenwehr, oft nur ein Schulterzucken. Die Wahrnehmungsstörung in Fragen der Kulturlandschaft hat ein Ausmaß erreicht, wie es noch vor 40 Jahren nicht denkbar gewesen wäre. In der digitalen Welt, auch in Südtirol, erscheint Landschaft oft nur mehr als eine Benutzeroberfläche. Es wird eine Zukunftsaufgabe sein, hier neue Partnerschaften zu bauen.
Eine besondere Aufgabe steht aber noch bevor: es gilt den Begriff von Heimat zu erweitern und zu festigen. Heimat steht für die drei Großen B: Brauchtum, Baukultur und Bodenständigkeit, sie öffnet aber längst weitere Horizonte und verzeichnet neuen Bedeutungszugewinn. Aus diesem Austausch darüber, wie wir unsere Lebensräume und Lebensverhältnisse, wie wir unser Miteinander gestalten sollen, erwächst das Gefühl der Zugehörigkeit.
Abschließend bedankte sich Hans Heiss bei allen Heimatpflegern: Umso dankbarer sind wir für die Leistung Ihres Verbandes, von Ihnen und Euch allen. Der Landesverband hat die enge Beziehung von Orten und den hier lebenden Menschen gefestigt, er stiftet Verbindungen, die Herkunft, Gegenwart und Zukunft verknüpfen. Sie schaffen Räume der Verantwortung und der Verbindlichkeit, aber auch der Schönheit. Dieses Netz der Partizipation und des Gemeinsinns ist Goldes Wert. Es trägt wesentlich dazu bei, Südtirol lebensfähig und lebenswert zu erhalten: nicht als den „begehrlichsten Lebensraum Europas“, sondern als Heimat für die hier Lebenden und die nach uns kommen.

© 2019 Heimatpflegeverband Südtirol

Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer: Grund und Boden vermehrt sich nicht!
Landesrätin Kuenzer betonte, dass wir vor einer großen Herausforderung stehen. Südtirol ist einzigartig, was die Naturlandschaft anbelangt und das soll so bleiben. Zur Zeit gibt es viele in der Gesellschaft die sagen: Es ist genug. Machen wir etwas langsamer. Das heißt nicht, dass es keine Entwicklung geben soll, sondern es geht darum diese Entwicklung zu steuern. Es ist unsere Verantwortung auf das Gemeinwohl zu schauen.
In diesem Sinne bedankte sich Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer bei Obfrau Claudia Plaikner für die gute Zusammenarbeit in den Bereichen Denkmalschutz und Raumrodnung.

 

 

© 2019 Heimatpflegeverband Südtirol

Ehrung Peter von Hellberg und Mundartgedichte
Nach dem anschließenden Festessen brachten mehrere Mundartdichter ihre stimmungsvollen Gedanken und Gedichte zum Jubiläum 70 Jahre Heimatpflegeverband vor. Ein weiterer abschließender Höhepunkt der Veranstaltung war die Ehrung des Gründers und langjährigen Obmannes des „Verein für Heimatpflege Eppan“ Peter von Hellberg.